star trek discovery

Star Trek Discovery

Was lan­ge währt – mit Star Trek geht es weiter

Trek­kies sind inte­ger, gedul­dig und fair, so will es die huma­nis­ti­sche Uto­pie vom Men­schen, die Gene Rod­den­ber­ry in den 1960er Jah­ren als Unter­hal­tungs­for­mat ent­warf und die uns diver­se Able­ger der Sci­ence-Fic­tion-Kult­se­rie “Raum­schiff Enter­pri­se” seit­dem erzählen. 

Zuletzt flopp­te ab 2005 mit Enter­pri­se der Ver­such, ein rechts­kon­ser­va­ti­ves US-Publi­kum mit Welt­raum­ge­schich­ten aus dem Star-Trek-Uni­ver­sum zu begeis­tern, dann schuf J.J. Abrams mit sei­nen rasan­ten Kino­fil­men um eine fast ori­gi­na­le Kirk-Crew eine neue Zeit­li­nie, in der kein Stein mehr auf dem ande­ren blieb. Seit­dem fürch­ten und erhof­fen Fans des Fran­chi­ses, was da kom­men möge.

DSC steht für Star Trek Discovery

Es kam: Star Trek Dis­co­very. Seit Sep­tem­ber 2017 strahlt CBS wöchent­lich Fol­gen der neu­en Star-Trek-Serie als Bezahl­for­mat aus, 24 Stun­den zeit­ver­setzt folgt die deutsch syn­chro­ni­sier­te Fas­sung bei Net­flix. Acht Fol­gen wur­den bis­her gesen­det, rund die Hälf­te der 15 Fol­gen umfas­sen­den ers­ten Staf­fel. Die Reak­tio­nen sind gemischt, das ver­langt nach Klä­rung. Es folgt daher an die­ser Stel­le ein ers­ter Ein­druck von trek-ver­sier­ter Sei­te und mit ihm – dies zur War­nung für Spät­be­ru­fe­ne, die sich noch über­ra­schen las­sen wol­len – jede Men­ge Spoiler.

Ein The­me, sie zu binden
(KÄP­T’N, DIE SPOI­LER, SIE KOM­MEN DIREKT AUF UNS ZU!)

Jeder ech­te Star-Trek-Fan ist unab­hän­gig von Talent und Musi­ka­li­tät in der Lage, nach­ein­an­der alle Titel­me­lo­dien der ein­zel­nen StarT­rek-Seri­en rhyth­misch vor­zu­tra­gen. Eine Aus­nah­me bil­det auch hier die Flop­se­rie von 2005, deren ver­fem­tes Rock­gi­tar­ren-Intro rasch zum Nebens­hit­s­torm führ­te. Denn Star Trek, das heißt Sphä­ren­klän­ge, Trö­ten und Trom­pe­ten. Die­se Lek­ti­on haben die Ver­ant­wort­li­chen gelernt: Schon das aus­ge­spro­chen gelun­ge­ne Intro von Star Trek Dis­co­very beru­higt die ban­gen Fan-Ner­ven. Es lehnt sich gleich mit den ers­ten Tak­ten an die iko­ni­sche Titel­mu­sik der Ori­gi­nal­se­rie an, beginnt mit einem getra­ge­nen The­ma und – dem Him­mel sei Dank – der obli­ga­to­ri­schen Posau­ne. Dann folgt trick­reich ein Cel­lo­mo­tiv, das mit Sicher­heit nicht zufäl­lig an die Geldschef­fel­ma­schi­ne Game of Thro­nes erin­nert, eine län­ge­re Pas­sa­ge, die zu einer Arte-Tief­see­do­ku genau­so pas­sen wür­de wie zum Pau­sen­pro­gramm der Fei­er­lich­kei­ten zur Föde­ra­ti­ons­grün­dung. Wäh­rend die­ser ander­talb Minu­ten, die osten­ta­tiv das Main-The­me der Ori­gi­nal­se­rie beschließt, ver­kauft uns DSC ein neu­es ästhe­ti­sches Pro­gramm. Rot, Gold, Chrom, skiz­zier­te Schiffs­plä­ne auf Per­ga­ment, mars­ähn­li­che Pla­ne­ten­ober­flä­chen (vul­kan­ro­te Wüs­ten, die uns ver­spre­chen, dass die Zeit­li­nie gilt, in der unse­re Lieb­lings­nach­barn nicht ver­nich­tet wur­den). Über all dem der Mensch, ein win­zi­ges Föde­ra­ti­ons­raum­schiff kreuzt den Blick eines gigan­ti­schen mensch­li­chen Auges, wir sehen zuerst das Por­trait einer Frau, dann die Klas­si­ker des Star-Trek-Designs, Pha­ser, Kom­mu­ni­ka­tor, den vul­ka­ni­schen Gruß. Ein Bat’­leth, das mar­tia­li­sche Zweihand­schwert der Klin­go­nen, ver­spricht Kon­flikt und Klas­sik, die Flugspur der win­zi­gen Dis­co­very neue Aben­teu­er im Deep Space. Löst die Serie das ein?

Glanz und Elend in der Zukunft

Die ers­te Fol­ge von Star Trek Dis­co­very wird ein Klas­si­ker wer­den. Sie besteht gleich in den ers­ten Minu­ten den Bech­del-Test, zeigt uns ein Gespann aus Men­to­rin und Schü­le­rin, zwei mus­ter­gül­ti­ge Ster­nen­flot­ten-Offi­zie­rin­nen, die sich auf einer huma­ni­tä­ren Mis­si­on dis­zi­pli­niert und klug behaup­ten. Wir erfah­ren, dass Miche­al Burn­ham, die Prot­ago­nis­tin der Serie, als mensch­li­ches Kind auf Vul­kan erzo­gen wur­de – von nie­mand gerin­ge­rem als Bot­schaf­ter Sarek, dem Vater von Spock. Die nächs­te Mis­si­on der USS Shen­zou ist die Unter­su­chung beschä­dig­ter Föde­ra­ti­ons-Infra­struk­tur im tie­fen Raum, Rou­ti­ne, so will es schei­nen. Doch dann geht alles schief. Burn­ham trifft auf ihrer Außen­mis­si­on auf einen Klin­go­nen, bringt ihn ver­se­hent­lich um, tote Klin­go­nen füh­ren bekannt­lich zu mehr Klin­go­nen, mehr Klin­go­nen füh­ren zu Ärger.

Und Ärger gibt es in Fol­ge satt. Die klin­go­ni­schen Krie­ger sind in die­sem Jahr­hun­dert wil­der denn je und vor allem haben sie von der Föde­ra­ti­on ein ein­deu­ti­ges Bild: Der Gruß der Vul­ka­nier, das Föde­ra­ti­ons­mot­to “Wir kom­men in Frie­den”, erwies sich für die Klin­go­nen als glat­te Lüge. Streng logisch näm­lich haben die Vul­ka­nier in der Ver­gan­gen­heit beschlos­sen, dass, da Tref­fen mit klin­go­ni­schen Raum­schif­fen stets in Schie­ße­rei­en enden, es doch sinn­vol­ler sei, in jedem Fall zuerst zu schie­ßen. Es gibt also Ärger.

Burn­ham ist die ein­zi­ge Offi­zie­rin an Bord, die das sofort weiß. Sie teilt die vul­ka­ni­sche Erfah­rung mit den Klin­go­nen, und mehr: Sie hat ihre mensch­li­chen Eltern in einem Gefecht ver­lo­ren, ist dadurch nach­hal­tig trau­ma­ti­siert. Als es zur Kon­fron­ta­ti­on mit einer Flot­te klin­go­ni­scher Schif­fe kommt – für sie ein Zei­chen, dass das zer­strit­te­ne, von Fami­li­en­clans gepräg­te Reich, sich zu einem gro­ßen Macht­kom­plex ver­ei­nen will – dreht Burn­ham durch. Mit Waf­fen­ge­walt will sie ein Gefecht erzwin­gen, nach­dem ihr Cap­tain klar­ge­stellt hat, dass die Föde­ra­ti­on unter kei­nen Umstän­den initia­tiv auf frem­de Schif­fe feu­ern wird. Sie meu­tert und wird arrestiert.

Es folgt eine Raum­schlacht. Der Cap­tain stirbt, ein eben­so mus­ter­gül­ti­ger Föde­ra­ti­ons­ad­mi­ral stirbt, das Schiff hava­riert, die Föde­ra­ti­on hat einen Krieg mit dem klin­go­ni­schen Reich am Hals. Unse­re hoff­nungs­vol­le Prot­ago­nis­tin geht nach kur­zem Pro­zess lebens­lang in den Bau. Die Space Ope­ra von fei­nen Men­schen und ihren ein­stün­di­gen Aben­teu­ern geht furi­os den Bach runter.

Ist das noch Star Trek?

Nach dem Schock der ers­ten Fol­ge darf man sich das fra­gen. Und nach den Schocks der nächs­ten auch. Burn­ham wird vom Knast­trans­por­ter weg shang­hait – der Cap­tain der USS Dis­co­very bie­tet der zu lebens­läng­li­cher Haft und Zwangs­ar­beit Ver­ur­teil­ten einen Brü­cken­job an, ein völ­lig irre­gu­lä­rer Vor­gang. Diver­se Besat­zungs­mit­glie­der der Dis­co­very stam­men von der hava­rier­ten Shen­zhou, und so ziem­lich jeder Ster­nen­flot­ten­an­ge­hö­ri­ge hasst die Meu­te­rin Burn­ham, die all­ge­mein als ver­ant­wort­lich für den Krieg mit den Klin­go­nen gilt. (Ein Miss­ver­ständ­nis, das die Vul­ka­nier – logisch – nicht aus­räu­men.) Bald stellt sich her­aus, dass das For­schungs­schiff Dis­co­very mit einem neu­ar­ti­gen Antrieb expe­ri­men­tiert, und zwar bar jeder Ethik. In den letz­ten Fol­gen ver­fes­tigt sich die Situa­ti­on, die Dis­co­very mutiert zum Kriegs­chiff und zur Haupt­waf­fe der Föde­ra­ti­on, die Besat­zungs­mit­glie­der ver­ste­hen sich als Sol­da­ten. Ist das Star Trek, die gro­ße Sozi­al­uto­pie vom fried­li­chen gan­zen Men­schen? Kann man Star Trek Dis­co­very über­haupt ohne Bauch­schmer­zen sehen? Doch der Rei­he nach.

Kri­tik­punkt: Die Meu­te­rei und ihre Folgen

Burn­ham ist eine viel­schich­tig ange­leg­te Figur. Zieh­schwes­ter von Spock, Pilot­pro­jekt des mensch-vul­ka­ni­schen Kul­tur­aus­tauschs, von Ras­sis­mus betrof­fen, von Res­sen­ti­ments geprägt. Und zwar durch eige­ne, wie auch durch an sie her­an­ge­tra­ge­ne Vor­ur­tei­le. So wird die Außen­sei­ter­rol­le nicht zur unbe­wäl­tig­ba­ren Bür­de – Micha­el Burn­hams Haut ist dick genug, ihre unsi­che­re sozia­le Rol­le zu ertragen.

Im Ablauf der Zeit­li­nie ist sie die Num­mer Eins der Geschich­te der Ster­nen­flot­ten-Meu­te­rei, doch so ziem­lich jeder lieb­ge­won­ne­ner Star-Trek-Prot­ago­nist hat dunk­le Momen­te in sei­ner Kar­rie­re. Da ist Picards Wider­stän­dig­keit (ganz zu schwei­gen von sei­ner kur­zen Kar­rie­re als Borg), Rikers Betei­li­gung an ille­ga­len Föde­ra­ti­ons­ex­pe­ri­men­ten mit Tarn­vor­rich­tun­gen, Worfs Stirn­glat­ze gewor­de­ner Dau­er­trotz samt ein­sei­ti­ger Kün­di­gung, Major Kira als Gesamt­kunst­werk der Insub­or­di­na­ti­on, Sis­kos Kom­plott mit Garak zum Zwe­cke der Kriegs­trei­be­rei – sie haben alle Dreck am Kom­mu­ni­ka­tor und ihn min­des­tens ein­mal irgend­wo “ver­ges­sen”, um Befeh­le nicht zu hören. Nur Burn­ham wan­dert dafür lebens­lang in Haft bei Zwangs­ar­beit in omi­nö­sen Minen. Das kann­te man bis­her nur von den Card­as­sia­nern. Burn­hams Stra­fe emp­fin­den vie­le Zuschau­er zu Recht als zu bru­tal für die hoch zivi­li­sier­te Föde­ra­ti­on der Planeten.

Aller­dings speist sich die­ser Haupt­ein­druck aus den Seri­en der 1990er Jah­re, die rund 100 Jah­re nach den Ereig­nis­sen von Star Trek Dis­co­very spie­len. Viel Zeit, in denen sich föde­ra­les Straf­sys­tem und das Ver­ständ­nis vom Ange­hö­ri­gen der Ster­nen­flot­te, sei­nen Rech­ten und Pflich­ten, mas­siv ver­än­dert haben. Ech­te Ter­ro­ris­ten wie Tho­mas Riker (ja, Wil­liams Trans­por­ter­un­fall-Bru­der) oder Tom Paris sit­zen in der Zukunft Haft­stra­fen ab und wer­den nach Kräf­ten reha­bi­li­tiert. Tom Paris darf sogar als nar­ra­ti­ves Vor­bild für Burn­ham gel­ten, denn auch ihm wird in der Pilot­fol­ge von Star Trek Voya­ger ein Brü­cken­job vom Cap­tain ange­bo­ten – sein Talent soll nicht ver­kom­men, man braucht sei­ne Orts­kennt­nis und Flug­küns­te für eine Anti­ter­ror­mis­si­on. Der Figur des Tom Paris hat der Kar­rie­re­start als Under­dog gut­ge­tan und ihn als Cha­rak­ter viel far­bi­ger gemacht, als das den Dreh­buch­au­toren zum Bei­spiel bei einem Mus­ter­ka­det­ten wie Har­ry Kim gelang.

Der tie­fe Fall der Meis­ter­schü­le­rin und ihre Rück­kehr in höchst moder­ne pre­kä­re Arbeits­ver­hält­nis­se ist ein Kunst­griff, von dem die Serie jetzt schon pro­fi­tiert. Denn die Star-Trek-Brü­cken­soap lebt von der emo­tio­na­len Anbin­dung der Zuschau­er an die Figu­ren, und Micha­el Burn­ham hat nach weni­gen aus­getrahl­ten Epi­so­den schon mehr Sub­stanz als man­cher ande­re Seri­en­cast nach der gan­zen ers­ten Staf­fel. Und mehr noch, das Phä­no­men strahlt auf die andern Figu­ren ab. Die für Star Trek unge­wohn­te Per­spek­ti­ve einer exzen­tri­schen Prot­ago­nis­tin ermög­licht es, ins­ge­samt natür­li­che­re Cha­rak­te­re zu ent­wi­ckeln. Jedes Indi­vi­du­um muss sich zum Under­dog posi­tio­nie­ren und gerät dadurch in einen Kon­flikt. So ertappt die Kame­ra gera­de­zu jedes ande­re Mit­glied des Cas­ts bei natür­li­chen, oft wenig glanz­vol­len Ver­hal­tens­wei­sen. Dazu wei­ter unten noch eini­ge Wor­te. Erst ein­mal zu den Klingonen. —

Kri­tik­punkt: Die Klin­go­nen sind potthässlich

Ja. Das sind sie. Und ver­dammt noch mal, das waren sie doch immer! Die Vari­anz im Aus­se­hen der Klin­go­nen ist sprich­wört­lich (“Wir reden nicht drü­ber”). Sie ist ein Lehr­stück der Evo­lu­ti­on der Film-Mas­ken­bild­ner­kunst und jede Star-Trek-Seri­en­ge­nera­ti­on prä­sen­tier­te die Krie­ger­spe­zi­es in neu­em, tech­nisch anspruchs­vol­le­rem Gewand. Die Mas­ken der aktu­el­len Klin­go­nen­dar­stel­ler dürf­ten die Krö­nung des Auf­wands sein, der um die Qua­drat­schä­del des Alpha­qua­dran­ten bis­her betrie­ben wur­de, selbst die Kel­vin-Zeit­li­nie der Abrams-Fil­me hat nichts Hässl… Schi­cke­res zu bie­ten. In der Ver­gan­gen­heit wur­de der Kos­tüm­wech­sel der Klin­go­nen sogar Teil der Hand­lung und stieß eini­ge sehr ver­gnüg­li­che Seri­en­fol­gen an. In denen erfuh­ren die Zuschau­er, dass miss­glück­te Expe­ri­men­te zur gene­ti­schen Erzeu­gung des Über-Klin­go­nen zu auf­ge­weich­ten Schä­del­käm­men und men­schen­zar­ter Phy­sio­gno­mie geführt haben. Über­flüs­sig, dar­an zu erin­nern, wie pein­lich das den Klin­go­nen war. Ortho­dox kor­rek­te TOS-Lang­wei­ler­schmin­ke in den jün­ge­ren Seri­en hät­te uns um die­sen Spaß gebracht.

Und so gewöh­nungs­be­dürf­tig das neue, noch zahn­las­ti­ge­re Erschei­nungs­bild der Klin­go­nen ist (mit Sicher­heit auch für die Dar­stel­ler, die ihre Arbeits­klei­dung mit gutem Recht spu­ckend ver­flu­chen dür­fen), es ist doch aus­ge­spro­chen präch­tig. Raum­schif­fe, deren Außen­hül­len mit den Kör­pern toter Krie­ger deko­riert sind, ein Albi­no-Klin­go­ne, des­sen Ver­zweif­lung über einen Man­gel an Auf­stiegss­chan­cen glaub­wür­dig an all dem Latex vor­bei­gelangt. Eine eben­so ehr­gei­zi­ge Klin­go­nin, die es schafft, selbst mit einer rie­si­gen Nar­be im Gesicht – fest­hal­ten jetzt – schön zu sein. Dazu braucht es nicht mal den für Böse­wicht Kol getra­ge­nen Kopf­schmuck, auch so ein Detail, das den Kanon klin­go­ni­scher Mode­sün­den wür­dig ergänzt. Wer L’Rells Phy­sio­gno­mie für bei­spiel­los hält, sei an die­ser Stel­le auf Star Trek Next Genera­ti­on ver­wie­sen. In der legen­dä­ren Fol­ge von Rikers Aus­tausch-Prak­ti­kum auf einem klin­go­ni­schen Schiff gibt es eine ers­te gemein­sa­me Mahl­zeit mit des­sen Crew. Die jun­ge Klin­go­nin, die den ers­ten Offi­zier der Enter­pri­se wild schmach­tend von der Sei­te ansieht, sieht ihrer Pre­quel-Ahnin erstaun­lich ähnlich.

Über­haupt sind das Schick­sal des albi­no­ti­schen Klin­go­nen Voq und sei­ner Gefähr­tin L’Rell als Hand­lungs­strang zur Zeit fast inter­es­san­ter als die Kar­rie­re man­ches Föde­ra­ti­ons­an­ge­hö­ri­gen. Die bei­den Figu­ren bekom­men viel Screen­ti­me für ihre Cha­rak­te­ri­sie­rung, wer­den dabei plas­tisch wie sonst vor allem die Star­fleet-Prot­ago­nis­ten. Was in den letz­ten Fol­gen aus dem merk­wür­di­ger­wei­se abge­tauch­ten Albi­no gewor­den ist (statt­des­sen zeigt man uns stän­dig die Secu­ri­ty-Neu­erwer­bung Ash… wer­den die bei­den wohl je zusam­men in einem Raum zu sehen sein?), will man genau­so erfah­ren, wie den Ver­lauf der emo­tio­na­len Annä­he­rung des bis­her, nun, süßes­ten Star-Trek-Dis­co­very-Pär­chens. (Jetzt darf pro­tes­tiert wer­den, sind doch da auch Paul Sta­mets und der Dok­tor, Ash Tyler und Micha­el Burn­ham, weit abge­schla­gen noch Lor­ca und Admi­ral Comwell.)

Sieht man sich die kano­ni­sier­te Zeit­li­nie an, sind da Klin­go­nen der nächs­ten Genera­ti­on, die mit den bei­den durch­aus ver­bun­den sein kön­nen. Einen klin­go­ni­schen “abtrün­ni­gen Albi­no” gibt es in der Deep-Space-Nine-Fol­ge Blood Oath, Hand­lungs­zeit 2370. Das ist 81 Jah­re nach dem Schwur der drei aus TOS bekann­ten Klin­go­nen Kang, Kor und Kolo­th, den von ihnen bekämpf­ten Albi­no aus Rache zur Stre­cke zu brin­gen. Der Albi­no aus DS9 ist ein sehr alter Mann – da Klin­go­nen aber weit über 100 Jah­re alt wer­den kön­nen, wäre denk­bar, dass es sich um den geal­ter­ten Voq han­delt. Das hie­ße wohl nichts Gutes für die Lie­be zwi­schen ihm und der Frau, die nach erfolg­rei­chem Vexier­spiel gera­de die Mit­glied­schaft des mäch­tigs­ten klin­go­ni­schen Adels­hau­ses erwor­ben hat. Hoch spe­ku­la­tiv könn­te man noch eins drauf­set­zen: L’Rell könn­te die Mut­ter von Gor­kon wer­den, jenem klin­go­ni­schen Herr­scher, der mit Kirk den Frie­den von Khi­to­mer schlie­ßen woll­te. Gor­kon wird vor dem Frie­dens­schluss ermor­det, doch sei­ne Toch­ter wird die berühm­ten Ver­trä­ge von Khi­to­mer unter­zeich­nen. Ein Brü­cken­schlag zur Föde­ra­ti­on, den viel­leicht L’Rell begrün­det hat, als sie, von Kind­heit an zwi­schen den Stüh­len ver­fein­de­ter Her­kunfts­häu­ser, in der Eini­gung jener Häu­ser unter dem Glau­ben an die Wirk­macht des Khaless einen neu­en Weg für die Gemein­schaft der Klin­go­nen gese­hen hatte.

Fremd­ar­tig sehen die neu­en Klin­go­nen aus, fremd­ar­tig klingt ihre erst­mals in einer Star-Trek-Serie durch­ge­hend gespro­che­ne und für die Zuschau­er unter­ti­tel­te Spra­che. Aber wenn sie inter­agie­ren, wir­ken die Klin­go­nen plötz­lich so ver­traut, als käme Mr. Worf gleich um die Ecke. Sie intri­gie­ren, klei­den und ver­klei­den sich mit Inbrunst, sie domi­nie­ren, gie­ren nach Sta­tus­sym­bo­len, Ruhm und von beque… brett­har­ten Chef­ses­seln aus geführ­ten Debat­ten. Und gleich­zei­tig sind sie zum ers­ten Mal kei­ne domes­ti­zier­ten Ehren-Zwangs­neu­ro­ti­ker, son­dern wirk­lich unbe­re­chen­ba­re, brand­ge­fähr­li­che Ali­ens. Ali­ens, die sich ver­lie­ben, über­le­ben wol­len und die im nächs­ten Jahr­hun­dert schon eine mili­tä­ri­sche Alli­anz mit den Men­schen ein­ge­hen wer­den. Die Klin­go­nen so neu ken­nen­ler­nen zu kön­nen, ist wahr­lich kein Grund zur Beschwer­de. Und wer gar nicht genug kriegt vom Klin­go­ni­schen, das immer­hin eine ech­te Kunst­spra­che ist – Net­flix bie­tet Hard­core-Fans den wert­vol­len Ser­vice klin­go­ni­scher Unter­ti­tel an.

Und sonst? – Anzi­tier­tes, Echoräume

Die Serie gibt sich mit den Ver­wei­sen auf Seri­en und Fil­me des Gen­res rich­tig Mühe. Schon in der ers­ten Fol­ge macht sie kein Geheim­nis dar­aus, mit Anspie­lun­gen und Zita­ten an eine Rei­he erfolg­rei­cher Wer­ke der Sci­ence Fic­tion anzu­knüp­fen. Dabei geht es oft genug um Star Trek, aber auch an ande­re Klas­si­ker kann man sich erin­nert fühlen.

Kos­tü­me und Set­ting der ers­ten Sze­nen, wenn Burn­ham und ihr Cap­tain durch eine epi­sche Wüs­te stap­fen, erin­nern sicher nicht zufäl­lig an die Ein­füh­rung der Jedi Rey im aktu­el­len Able­ger von Star Wars. Die che­misch erblau­ten Augen des labi­len Cap­tain Lor­ca, zumal in Ver­bin­dung mit dem über­schnel­len Antrieb aus blau glit­zern­den Spo­ren zitie­ren das Spi­ce des Wüs­ten­pla­ne­ten Dune. Sta­mets, der Wis­sen­schaft­ler, der den Antrieb ent­wi­ckelt hat und mit ihm nach einer Injek­ti­on des aus den Spo­ren extra­hier­ten Gen­ma­te­ri­als als Steu­er­ein­heit ver­bun­den ist, braucht das Man­tra “It is by pure will alo­ne I set my mind in moti­on” der Dune-Navi­ga­to­ren gar nicht zu mur­meln, um es auf­zu­ru­fen. Der Spo­ren­an­trieb selbst zitiert einen Klas­si­ker aus dem Star-Trek-Uni­ver­sum an. In der Star-Trek-Voya­ger-Dop­pel­fol­ge Equinox ermor­det die Crew des gleich­na­mi­gen Schif­fes intel­li­gen­te Lebe­we­sen, um mit einem selbst­ent­wi­ckel­ten Antrieb schnel­ler zurück in den Hei­mat­qua­dran­ten zu kom­men. Die Crew der Equinox kommt bei die­sem skru­pel­lo­sen Ver­bre­chen bis auf weni­ge Mit­glie­der um, denn die Spe­zi­es ihrer Opfer weiß zu ver­hin­dern, dass ihre Ange­hö­ri­gen wei­ter gefol­tert wer­den. Beson­ders wütend sind die Wesen auf den Cap­tain der Equinox. Cap­tain Lor­ca wird sich anstren­gen müs­sen, die Sym­pa­thie­len­kung der bis­he­ri­gen Fol­gen zu kom­pen­sie­ren, wenn er auf dem Stuhl des Cap­tains wei­ter Platz neh­men will. Von der Spe­zi­es der spo­ren­es­sen­den Rie­sen­bär­tier­chen jeden­falls haben wir viel­leicht nicht zum letz­ten Mal gehört.

Dann ist da Brü­cken­of­fi­zer Saru, hoch­ge­schos­sen, fein­glied­rig und bleich, ein pro­to­ty­pi­sches Ali­en, zuletzt haben wir so etwas bei Dr. Who gese­hen, nur gru­se­li­ger, als “The Silence”. An Begeg­nun­gen mit Mit­glie­dern der Spe­zi­es aus Dr. Who kann man sich nach einer Wei­le nicht mehr erin­nern, das ist ihre Über­le­bens­stra­te­gie. Die Art, der Saru ange­hört, über­leb­te in ihrer evolut­o­ri­schen Ver­gan­gen­heit durch hoch­ent­wi­ckel­te Sin­ne zur Ver­mei­dung von Räu­bern. Ein Echo­raum zwi­schen den Seri­en, in dem zu ahnen ist, dass Saru Gefähr­li­che­res auf dem Kas­ten hat, als nur ner­vös die Hörn­chen aus­zu­fah­ren. Auf dem blau­en Pla­ne­ten der ach­ten Fol­ge bestä­tigt sich die­se Annah­me, wenn er unter dem Ein­fluss der indi­ge­nen Spe­zi­es die eige­nen Crew­mit­glie­der atta­ckiert. Auf jenem blau­en Pla­ne­ten, um den nach dem Cliff­han­ger alle ban­gen, die Ava­tar gese­hen haben. Doch viel­leicht hat die­ser pla­ne­ta­re Locus amo­e­nus mit sei­nen schein­bar unbe­darf­ten Bewoh­nern, die sich zwei Kriegs­par­tei­en in den Orbit ein­la­den, es auf sei­ne Wei­se in sich…

In sich dürf­te es auch Ash Tyler haben, des­sen Vor­na­me dem des Andro­iden der Ali­en-Rei­he ent­spricht. Aus einem klin­go­ni­schen Fol­ter­k­nast rekru­tiert, liegt sein Wer­de­gang im Dun­keln, von einer von Lor­ca – so behaup­tet der es wenigs­tens – ein­ge­hend über­prüf­ten Dienst­ak­te abge­se­hen. Ash macht der in Lie­bes­din­gen unsi­che­ren Burn­ham Avan­cen, bie­tet ihr sogar an, gemein­sam durch­zu­bren­nen, statt die kriegs­wich­ti­ge Mis­si­on zu been­den. Viel­leicht ent­puppt sich der Sicher­heits­of­fi­zier wie sei­ner­zeit Android Ash noch als etwas ganz ande­res, als es für die Men­schen, die sich auf ihn ver­las­sen, den Anschein hat.

Alles gut? Ech­te Star-Trek-Momente

Ist also die Uto­pie in guten Hän­den, um die Ein­gangs­fra­ge noch ein­mal auf­zu­neh­men. Das neue Star-Trek-Kapi­tel, in dem alles sich so selt­sam anfühlt? Mit den viel­schich­ti­gen Frem­den, die den Zuschau­ern nicht typen­haft zur Iden­ti­fi­ka­ti­on anemp­foh­len wer­den, die mit ihnen noch nicht so rich­tig warm gewor­den sind? Mit der robus­ten Til­ly, die ihre Kar­rie­re­plä­ne aus­plap­pert und auch mal von der Kol­le­gin abrückt, wenn sie das eige­ne Fort­kom­men in Gefahr sieht. Dem ner­vö­sen Saru, der sei­ne ehe­ma­li­ge Vor­ge­setz­te schön fein ins Gefäng­nis gehen lässt, froh, talen­tier­te Kon­kur­renz los zu sein. Einem offen­sicht­lich völ­lig ver­korks­ten Cap­tain, wo doch die Kapi­tä­ne immer Mus­ter­mensch Nr. 1 der glanz­vol­len Zukunft der Mensch­heit zu sein hat­ten. Mit Indi­vi­du­en, die wir gera­de erst ken­nen­ler­nen, denen wir nicht trau­en kön­nen, man­chen jetzt nicht, ande­ren viel­leicht nie. Mit Kon­flik­ten, die sich gar nicht lösen las­sen, Burn­hams inof­fi­zi­el­ler Zweit­kar­rie­re als wis­sen­schaft­li­cher Hilfs­kna­cki, dem Dienst­eid-Lie­bes­di­lem­ma von Arzt und Steu­er­mann, die sich und Ster­nen­flot­te so aller­hand Pro­ble­ma­ti­sches ver­schwei­gen. Aber ja, denn so leben­dig war der Star-Trek-Kanon noch nie, und das die Seri­en­ma­cher ver­stan­den haben, wor­um es geht, zei­gen jetzt schon vie­le Szenen.

Da ist – nach etli­chen Sen­de­mi­nu­ten – der ers­te wei­ße Mann mit Text. Einer, der nichts kom­man­diert oder aus dem Feu­er holt, son­dern weint. Ein jun­ger Crew­man wird an die­ser Stel­le gezeigt, der fas­sungs­los vor Burn­hams Arrest­zel­le steht und klagt, das dür­fe alles so nicht gesche­hen, man sei doch auf einem For­schungs­schiff und Teil einer Alli­anz fried­li­cher Wesen. Die­ser Mann ist kein Sol­dat, er ist ein Zivi­list durch, sein Selbst­ver­ständ­nis ist die fried­li­che Erkun­dung des Alls. Das ist vor­bild­lich im Geis­te Rod­den­ber­rys und es ist bril­lant geschrie­ben. Burn­ham, die Frau mit der Fähig­keit, auf eine exis­ten­zi­el­le Bedro­hung hin alles zu opfern, wird als Prot­ago­nis­tin sei­ne Stel­le ein­neh­men. Burn­ham-Dar­stel­le­rin Sonequa Mar­tin-Green kennt die­sen Über­le­bens­ty­pus – bis zu ihrer Ver­pflich­tung als Micha­el Burn­ham hat sie bei The Wal­king Dead mit Sasha Wil­liams eine ähn­lich zähe Figur gespielt.
Zurück zum wei­ßen Mann, der nächs­te ist sogar ein alter, ihn ver­liert Star Trek Dis­co­very beim Koba­ya­shi-Maru-Test in frei­er Wild­bahn. Trek­kies ken­nen die­sen Test der Ster­nen­flot­ten-Offi­ziers­aus­bil­dung. Er kann nicht bestan­den wer­den und endet erst, wenn man sich und sei­ne Crew dem unaus­weich­li­chen Tod ergibt. Fort ist damit der Admi­ral, der sein hava­rier­tes Schiff mit Mann und Maus opfert, und auch sei­ne Rol­le nimmt eine Frau ein. Die­se Rocha­den sind dis­kre­ter als das Seri­en­über­ga­be-Dienst­ge­spräch zwi­schen Picard und Sis­co, aber sie sind genau so programmatisch.

Ein wei­te­rer gro­ßer Star-Trek-Moment ist die Aus­spra­che zwi­schen Saru und Micha­el. Über­for­dert mit der Auf­ga­be, den Cap­tain zu ver­tre­ten, hat­te der sich schon an den Com­pu­ter gewen­det (der ihm aus­ge­rech­net Jona­than Archer als leuch­ten­des Bei­spiel auf den Schirm brach­te). In Burn­hams Pro­zess vor dem Ster­nen­flot­ten-Tri­bu­nal war Saru offen­sicht­lich kei­ne Hil­fe, dabei hät­te sei­ne Für­spra­che die lebens­lan­ge Haft viel­leicht doch abge­wen­det. An Bord der Dis­co­very geht er zunächst wei­ter auf Distanz, erklärt ihr, sie sei sei­ner Ansicht nach gefähr­lich. Doch dann löst Saru die­se Distanz in ein Geständ­nis auf. Gefähr­lich sei sie ihm vor allem durch ihr über­gro­ßes Talent gewe­sen. Er beich­tet ihr, nun selbst auf der Posi­ti­on, die sie auf dem alten Schiff besetzt hat­te, von sei­ner Miss­gunst und dem Gefühl, einer Bes­se­ren unter­le­gen zu sein. Das vor­an­schrei­ten­de Bon­d­ing von Micha­el und Saru ist einer Star-Trek-Serie mehr als wür­dig und man darf gespannt sein, wie es zwi­schen den bei­den weitergeht.

Es gibt noch reich­lich mehr, die wei­ter aus­er­zähl­te Fami­li­en­ge­schich­te von Sarek, die neue Per­spek­ti­ve auf die Vul­ka­nier, die gegen ter­ro­ris­ti­sche Logik-Extre­mis­ten antre­ten und uns Mensch­heit als out­ge­sourc­tes “Bauch­ge­fühl” tat­säch­lich viel mehr brau­chen, als bis­her klar gewor­den ist. Die ers­te kom­plett unwür­di­ge Gestalt hat auch schon ihre Stra­fe erhal­ten: Die Sicher­heits­of­fi­zie­rin der Dis­co­very, ein Flin­ten­weib, dem nichts Bes­se­res ein­fiel, als das ver­meint­lich klin­go­nen­kil­len­de Raub­tier zu vivi­sezie­ren, ohne dadurch wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis erlan­gen zu kön­nen. Das war kein star­fleet­wür­di­ges Ver­hal­ten und der Ver­such, sich damit durch­zu­set­zen, ende­te direkt fatal.

Was ist denn rich­tig schlecht?

Rich­tig schlecht für alle Zuschau­er über 40 ist, dass Star Trek Dis­co­very sei­ne Sto­ry nicht nur auf dem neu­es­ten Stand der Seri­en-Evo­lu­ti­on erzählt, son­dern die Hand­lung auch optisch mit sehr hohem Tem­po vor­an­treibt. Jeder Bild­wech­sel kann einen Zeit­sprung von Stun­den oder Tagen beinhal­ten, wenig deu­tet als Über­lei­tung auf einen neu­en Akt hin. Wir wer­den bei Wie­der­ho­lun­gen von DSC für Wer­be­pau­sen im Free TV noch dank­bar sein. Man muss genau auf­pas­sen, was in den dyna­mi­schen Dia­lo­gen pas­siert, in den Gesich­tern (auch auf den klin­go­ni­schen), auf Tak­tik­ti­schen und Bild­schir­men, im Halb­schat­ten hin­ter den Per­so­nen und in der Ambi­ent-Ton­spur. Ganz offen­sicht­lich ist Star Trek Dis­co­very für das mehr­fa­che Anse­hen gefilmt. Ob man die soli­de Syn­chro oder das Ori­gi­nal wählt, die Daten­dich­te ist auch ohne klin­go­ni­sche Unter­ti­tel ein­fach zu hoch, um bei ein­ma­li­gem Anse­hen alles mit­zu­krie­gen. Bin­ge­watching ist in die­sem Fall etwas für nüch­ter­ne Aus­ge­schla­fe­ne, die sich nicht vom klin­geln­den Piz­za­bo­ten ablen­ken las­sen. Das kann man als Zumu­tung betrach­ten oder als Müh­sal, aber eigent­lich ist auch das ein Ser­vice für die Fans. Nie­mand, der sich wirk­lich Trek­kie nen­nen darf, hat die bis­he­ri­gen Seri­en nur ein ein­zi­ges Mal kom­plett gese­hen. So wird es auch bei Star Trek Dis­co­very sein – nur dass dies­mal, anders als 2005, wirk­lich neue Fans an Bord bea­men. Und so muss es sein, denn ohne Genera­ti­ons­wech­sel kann es kein Star Trek geben.

Alle Star-Trek-Seri­en haben sich erst nach eini­gen Staf­feln ent­fal­tet. DSC hat das Poten­zi­al, viel frü­her rich­tig auf­zu­dre­hen, und wenn man sei­ne ers­te Staf­fel­hälf­te mit den ers­ten Staf­feln der bis­he­ri­gen Seri­en ver­gleicht, wirkt alles davor wie Sati­re in Schlaf­an­zü­gen. (Gut, der Kla­mauk um Mudd ist auf Teil­stre­cken selbst­iro­ni­sche Sati­re in Schlaf­an­zü­gen, aber rasant vor­ge­tra­gen für eine Zeitschleifen-Episode.)

Und bei allem, was nun neu und unbe­hag­lich ist: Das Wich­tigs­te hat sich nicht geän­dert. Nie­mand, wirk­lich nie­mand auf den Raum­schif­fen in Star Trek Dis­co­very trägt einen Sicher­heits­gurt. Und das, obwohl in Action­sze­nen alle bewährt her­um­zap­peln, als ob Shut­tles, Brü­cken oder Kor­ri­do­re im Smoot­hie­mi­xer ste­cken. Welch eine beru­hi­gen­de Kon­stan­te – das ken­nen wir, so soll es immer sein!

Nach­schlag I – Stei­le The­se zum blau­en Planeten

Die Ereig­nis­se in der ach­ten Fol­ge (Si Vis Pacem, Para Bel­lum) könn­ten vor­be­rei­ten, den exis­tenz­be­dro­hen­den Kon­flikt mit den Klin­go­nen in eine küh­le­re Pha­se zu über­füh­ren. Denn der eigent­li­che Krieg beginnt erst wie­der in Kirks Dienst­jah­ren. Er dau­ert nur vier Tage, weil die über­mäch­ti­ge Spe­zi­es der Orga­nier inter­ve­niert und endet 2293 mit dem Frie­dens­ver­trag von Khi­to­mer. Ener­gie­we­sen, die schein­bar ohne jede Ver­tei­di­gung leben und mun­ter Signa­le ins All sen­den, wer­den eigent­lich auch im Star-Trek-Uni­ver­sum nicht alt. Als sie von Saru erfah­ren, wie Klin­go­nen und Föde­ra­ti­on sich zu ver­nich­ten dro­hen, bestel­len sie ein­fach alle Par­tei­en in ihren Orbit. Pro­gno­se: Sie müs­sen sich nicht fürch­ten. Viel­mehr über­neh­men sie die Rol­le der Orga­nier, rügen die Huma­no­iden und sam­meln alle Kriegs­spiel­zeu­ge ein. Das wür­de erklä­ren, war­um in der Föde­ra­ti­on nie wie­der von einem Spo­ren­an­trieb die Rede sein wird und war­um die Klin­go­nen weni­ge Jahr­zehn­te spä­ter Tarn­vor­rich­tun­gen von den Romu­la­nern kau­fen müs­sen. Es ist noch ein lan­ger Weg, bis Aus­tausch­of­fi­zier Riker eines Tages fri­sches Gagh in sich hin­ein­schau­feln kann.

Nach­schlag II – Essen wie auf der Raumstation

Doch was macht ein Trek­kie, wenn der Hun­ger ruft? Die Fotos für die­sen Arti­kel wur­den nicht auf einer Deep-Space-Sta­ti­on der Föde­ra­ti­on, son­dern in der Data Kit­chen Ber­lin gemacht. In die­ser Tech-Gas­tro­no­mie bestel­len die Gäs­te ihr Essen online und erhal­ten es zum Wunsch­zeit­punkt fer­tig ange­rich­tet aus repli­ka­to­r­ähn­li­chen Ser­vier­fä­chern. Das macht nicht nur Sci­ence-Fic­tion-Fans Spaß, die preis­lich im obe­ren mitt­le­ren Seg­ment ver­ort­ba­ren Gerich­te sind hübsch ange­rich­tet und lecker. Für ihr expe­ri­men­tel­les Kon­zept erhielt die Data Kit­chen in die­sem Jahr den Gas­tro­no­mie­preis FIZZZ Award 2017. Übri­gens auch auf der Kar­te: klas­sisch hei­ßer Earl Grey. Näher kommt der geneig­te Trek­kie der Repli­ka­tor­er­fah­rung zur Zeit kaum.

2 Anmerkungen

  1. Schö­ne Zusammenfassung!

    Ein wei­te­rer Aspekt für die emo­tio­na­le Bin­dung, sei es Ableh­nung oder Zunei­gung, zu den Klin­go­nen, ist der *Klang* der in exten­so benutz­ten klin­go­ni­schen Spra­che. Die gedrück­ten, kurz­sil­bi­gen, fast röcheln­den Dia­lo­ge ver­mit­teln zusam­men mit dem neu­en Aus­se­hen eine ech­te, her­aus­for­dern­de Fremd­ar­tig­keit. Mich per­sön­lich nervt das Stak­ka­to-Gluck­sen unfass­bar, aber gera­de das ist IMHO der Clou: Eine frem­de Ras­se auf allen Ebe­nen als fremd zu *erle­ben* – und doch Ster­nen­flot­te genug zu sein, um sie nicht wegen die­ser Ober­fläch­lich­keit per se abzulehnen.

  2. Als Trek­kie ohne Net­flix habe ich dei­nen Arti­kel mit gro­ßer Neu­gier gele­sen. DSC scheint mir eine zeit­ge­mä­ße „Erneue­rung“ des Star-Trek-Uni­ver­sums zu sein. Ob ich als Ü40-Pati­ent 😉 das beschrie­be­ne Tem­po ver­tra­ge, wird sich zeigen.

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