Humorvoll und pointiert zeigt die Kabarettistin, Sängerin und Poetry-Slammerin Fee Brembeck in ihrem Textband „Feeminismus“, welchen Wert ein unbestechlich selbstbewusster Blick auf unseren Alltag auch abseits großer Theoriegebäude hat.
Ein Buch für alle, die wissen wollen, welche Regeln Luther für einen gelungenen Poetry Slam aufgestellt hat
Es gibt Feen, die tragen rosa Kleider und beschenken Neugeborene mit guten Wünschen. Ihre bösen Berufsgenossinnen tragen eher schwarz und sehen überschminkt in Spiegel, deren jenseitige Bewohner Tinnitus vom diabolischen Gelächter ihrer Besitzerinnen haben. Ikonen des Feminismus sind beide Modelle nicht, die Erbwunschtanten und die Konkurrenzverbeißerinnen, auch wenn Pratchett einst einiges über eine gewisse Nanny Ogg und deren legendär emanzipierte Gesangsdarbietungen zu schreiben wusste.
Und dann gibt es da noch Fee Brembeck, die nicht nur sehr viel besser singt als Nanny Ogg, sondern auch auf im Reich der Worte ihr Talent beweist. 2013 wurde sie deutschsprachige Meisterin im Poetry Slam in der Kategorie U20, 2016 erhielt sie den Tassilo-Kultur-Preis der SZ.
Brembeck schreibt Klartext und konsequent ist der Name Programm: „Feeminismus“ heißt der Band, der Brembecks Poetry-Slam-Texte versammelt, ätzende Gedichte über die Kindsmörderin Medea ebenso wie Essays über Lutherwissen, das in keinem Unitest so richtig abgefragt werden kann.
Dabei rockt die Autorin das (immer noch cis-männlich dominierte) Genre des Poetry Slams mit ihrem ganz eigenen Sound: Bissig nehmen ihre kurzen Texte jene aufs Korn, die Geschlechterklischees und vorgestrige Mindsets reproduzieren, seien es Kulturtreibende, urbane Intellektuellenbubbles oder die unerschöpflichen Trashproduzenten der Medien. Ernste Töne mischen sich in den Klang, wenn Brembeck offen über Erlebnisse spricht, die mit #metoo verschlagwortet zu dem großen Bild beitragen, das Menschen mit weiblicher Identität weltweit gezeichnet haben, damit die zahllosen Mikro-Belästigungen und alltäglich stattfindenden Übergriffe gegen Frauen sich nicht mehr ignorieren lassen. „Weiterkämpfen“ ist das Fazit dieses wichtigen Abschnitts.
„Weiterkämpfen“ ist auch ein gutes Fazit für Fee Brembecks Projekt. Dass Feminismus Spaß macht, und zwar genderübergreifend, belegt sie mit „Feeminismus“, das sich als Ostergabe in Zeiten geschlossener Spielstätten mehr als qualifiziert hat. Bitte mehr davon, ob als Konserve oder live auf einer Bühne!
Fee Brembeck: Feeminismus. Lektora, 2019. 140 Seiten.





